Biel - 28 June 2009 - 30 August 2009

Burhan Dogançay - Jacques Villeglé - Collage - Décollage

© Burhan Dogançay
© Burhan Dogançay
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Die Ausstellung "Collage - Decollage. Burhan Dogançay - Jacques Villeglé" lässt zwei grosse Namen der Kunstszene der 1960er Jahre in Dialog treten. Obwohl von ihrer Herkunft und ihrer Kultur her verschieden, zeigen Dogançay (*1929, Istanbul/TK) und Villeglé (*1926, Quimper/FR) ein vorzeitiges und bevorzugtes Interesse für den urbanen Raum. Es werden zwei Künstler der gleichen Generation, jedoch unterschiedlicher Techniken und unterschiedlicher Herkunft vorgestellt. Die Gegenüberstellung lässt deren Werke in einen spannenden Dialog treten, bei dem sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zum Ausdruck kommen.

Die Ausstellung "Collage - Decollage. Burhan Dogançay - Jacques Villeglé", die im letzten Jahr erstmals im Pera Museum in Istanbul gezeigt und damals vom französischen Kunstkritiker Philippe Piguet zusammengestellt wurde, umfasst über vierzig Werke, die als eine Interpretation der Graffititradition bezeichnet werden könnte. Eine Tradition, die bis zu den Ursprüngen der visuellen Kunst zurückreicht. Beide Künstler interessieren sich primär für den städtischen Raum, insbesondere für die Mauern und Wände. Während Dogançay früh das Bedürfnis verspürte, zu reisen, um zu sehen was anderswo geschieht, hielt der zweite in Paris Einzug und wurde einer der Akteure des Nouveau Réalisme.

Seit Mitte der 1960er Jahre, widmet sich Dogançay thematisch exklusiv den Bildern und Symbolen, denen er auf Mauern und Plakatwänden der Städte, die er durchquert, begegnet. Auf seinen Reisen durch 114 Länder sammelte der Künstler einen reichen Fundus an Motiven, Formen, Zeichen, Schriften und Symbolen von urbanen Wänden, die er auch fotografisch festhielt. Aus diesem Schatz schöpft er immer wieder neue Werke, wobei er ganz traditionell vorgeht. Wie er es von seinem Vater gelernt hatte, erarbeitet sich Dogançay zuerst mit Zeichnungen und Skizzen die vorgestellte Komposition, um sie anschliessend in einer Collage mit unterschiedlichen Materialien umzusetzen. Dogançays Werke sind minutiös geplante konstruierte Kompositionen, die jedoch zufällig scheinen, und die seine Erinnerungen an unterschiedlichste Städte und ihre Gesellschaft vermischen. Sie sind in diesem Sinne fiktiv.

© Jacques Villeglé
© Jacques Villeglé
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Was Jacques Villeglé angeht, findet seine Kunst nach 1949 ihren Nährboden in der Sammlung von Ready-made-Bildern, die sich ihm als "anonyme Plakatabrisse" auf seinen Streifzügen durch die Stadt anbieten. Zufällig gefunden, anonym heruntergerissen, veränderte er am Vorgefundenen bis auf ganz wenige Ausnahmen im Prinzip nichts, sondern zog die Plakatabrisse schlicht auf Leinwand auf. Seine Décollagen sind konservierte Zeugen eines jeweils ganz spezifischen Ortes, wobei durch die Dicke der Papiere und die zerfetzten Stellen das städtische Chaos zum Ausdruck kommt. Sie entsprechen einer Art "kollektiver Realität".

Während Jacques Villeglé vor einigen Jahren seine Décollagen als abgeschlossen erklärt hat und sich seither auf die Schrift, resp. die graphische Komposition eines neuen Alphabetes konzentriert, arbeitet Burhan Dogançay unermüdlich an seinen "Walls" weiter, die mitunter mittels integrierter Objekte in den Raum hinaus treten.

Zwar sind die beiden Methoden von ihrer Technik her verschieden - Collage (kleben, kleistern), Décollage (herunterresisen, ablösen) - und stehen stellvertretend für verschiedene Haltungen - Konstruieren und Dekonstruieren. Doch aufgrund ihrer Thematik und ihrer Ästhetik stehen sich die Werke der beiden Künstler sowohl inhaltlich als auch formal nahe. Sowohl Dogançay als auch Villeglé interessieren sich primär für die in auf den urbanen Mauern gespiegelte Gesellschaft und Geschichte.

Dolores Denaro

Kuratorin der Ausstellung: Dolores Denaro, Direktorin CentrePasquArt Biel

Zur Eröffnung der Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst Nürnberg eine zweisprachige Publikation (deutsch/französisch) mit Abbildungen sämtlicher Exponate. Eine englische/türkische Ausgabe wurde bereits 2008 vom Pera Museum Istanbul herausgegeben.

This Text in:

CentrePasquArt

Kunsthaus Centre d'art
Seevorstadt 71-75 Faubourg du Lac
2502 Biel / Bienne
Phone: 
+41 32 322 55 86
Fax: 
+41 32 322 61 81
Exhibition
28 June 2009 - 30 August 2009
Online since 23 June 2009
Opening Hours: 
Me-Ve 14h - 18h, Sa/Di 11h - 18h