Bernard Voïta – Recto Verso

Exhibition

in Solothurn / Switzerland
11.08.2018 - 21.10.2018 00:00
Bernard Voïta - Recto Verso

Bernard Voïta (*1960 in Cully VD, lebt in Brüssel) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern seiner Generation. Ab den 1980er Jahren findet er mit seinen Fotografien über die Grenzen des Landes hinaus Anerkennung. Seine Werke befinden sich nicht nur in Schweizer Museen (u.a. Kunsthaus Zürich, Kunstmuseum Bern), sondern auch in bedeutenden Sammlungen des Auslandes (u.a. Centre Georges Pompidou Paris, Metropolitan Museum of Art New York, Museum Moderner Kunst Wien). Wurde sein Schaffen in den 1990er Jahren regelmässig mit Einzelausstellungen bedacht, ist die Vermittlung in den letzten Jahren nur noch punktuell erfolgt. Die letzte grössere Ausstellung widmete ihm 2011 die Fundação Caixa Geral de Dopósitos – Culturgest Lissabon; 2014 zeigte das Centre Art Contemporain Yverdon-les-Bains eine kleinere Präsentation. Die Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn ruft die herausragende Qualität des Schaffens mit einer grossen Übersicht in sieben Sälen in Erinnerung. Neben aktuellen Arbeiten wird ein Panorama ausgesuchter Exponate früherer Jahrzehnte gezeigt. Damit betonen wir die eindrucksvolle Konsequenz des Schaffens, das in verschiedenen Medien (Fotografien, Projektionen, Skulpturen und Installationen) gezeigt wird.

Bernard Voïta hat von 1981 bis 1986 an der Ecole supérieure d’art visuel (ESAV) in Genf studiert, wo Chérif und Silvie Defraoui sein reflektiertes Denken und Arbeiten geprägt haben. Neben der kritischen Befragung der Gegenwart war die Auseinandersetzung mit den gewählten Medien zentral: Wie verbindet sich die Form mit dem jeweiligen Inhalt? Bernard Voïta stellt sich dieser Frage mit ebenso viel Ernst wie Humor. Als Fotograf nimmt er sein Instrument, die Kamera, beim Namen: Mit seinen Arbeiten zum Begriff “Camera” (ital. Zimmer) erinnert er nicht nur an den tatsächlichen Raum, den das Gehäuse einer Kamera umschliesst, sondern auch an die räumliche Illusion, welche die Fotografie auf einer Fläche erzeugt.

Die Ausstellung setzt mit einer Installation ein, die den ersten Saal als tatsächliche “Camera” zeigt. Indem Voïta den Raum abdunkelt und die Neonröhren von der Decke auf den Boden verlegt, leuchtet er die “Kammer” nach oben aus. Darin wird nicht nur an die von Roland Barthes geprägte Fotografie-Metapher der “hellen Kammer” erinnert, sondern durch die Umkehr von Oben und Unten auch auf den Ausstellungstitel “recto verso” hingewiesen. Auch bei der Einschätzung der weiteren Exponate lohnt es sich, die Dinge “von beiden Seiten” zu betrachten, denn nicht selten spielt der Künstler mit verschiedenen Realitätsebenen und dem künstlerischen Trug der Erscheinung. So hat Voïta im Vorfeld der Ausstellung alle Skulpturen, die später in Metall präsentiert werden, als Kopien aus Karton fabriziert und fotografiert. Die entsprechenden Abbildungen werden in Vitrinen präsentiert und treten in ein anregendes Spiel mit den dreidimensionalen Originalen.

Voïta hat die Kamera nicht nur zum Bildgegenstand von Fotoserien und damit das Medium zum Motiv gemacht, sondern in seinen neuesten Metall-Objekten (“Jalousies”, ab 2017) auch das Prinzip der ausklappbaren Kamera (oder Jalousie) verbildlicht. In diesen neuesten Werken hat er seine langjährige Beschäftigung mit den verschiedenen Dimensionen auf den Punkt gebracht: Wirken die mit der Wand verbundenen Werke im geschlossenen Zustand wie zweidimensionale Bilder, treten sie uns im geöffneten Zustand als dreidimensionale Figuren entgegen.

Dass Voïta sein Spiel mit den Realitätsebenen und Dimensionen bis heute treibt, ja noch perfektioniert hat, kann etwa in seiner Foto-Serie “Melencolia” (ab 2014) nachvollzogen werden. Ihre Komplexität scheint auf den ersten Blick nur als Resultat digitaler Bildbearbeitung möglich, in Wahrheit aber handelt es sich um analoge Aufnahmen von raffiniert gebauten “Architekturen” in seinem Atelier. Zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst Wien ein umfangreiches Katalogbuch (192 Seiten, D/E/ F) mit vier Aufsätzen.

Christoph Vögele

Öffnungszeiten Di-Fr 11 – 17 Uhr, Sa/So 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen

www.kunstmuseum-so.ch

Location:
Kunstmuseum Solothurn
Werkhofstrasse 30
4500 Solothurn
Switzerland

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