Exhibition

in Aarau / Switzerland
22.01.2017 - 17.04.2017 10:00 - 17:00
Cinéma mon amour - Kino in der Kunst

Eine Kooperation zwischen dem Aargauer Kunsthaus und den Solothurner Filmtagen

Zwischen Film und Kunst flammt eine produktive Liebe. Bildende Künstlerinnen und Künstler beziehen sich auf vielfältige Weise auf den Film und gewähren eigene, neue Sichtweisen auf die Welt des Kinos. Die Sonderausstellung “Cinéma mon amour” zeigt Werke von international bekannten Kunstschaffenden, welche sich mit unterschiedlichen Aspekten von Film in der Kunst befassen. Zeitgleich widmen die 52. Solothurner Filmtage ihr Spezialprogramm Fokus der Darstellung von Kunst im Film.

Kunst im Film, Film in der Kunst: Kunst- und Filmschaffende werfen sich seit der Erfindung der bewegten Bilder die Bälle zu. Filmschaffende richten ihre Kamera auf die Kunst, den Kunstbetrieb und auf seine Macherinnen und Macher. Umgekehrt sind bildende Künstlerinnen und Künstler fasziniert von der Welt des Kinos und behandeln diese in ihren Werken. In einer thematischen Kooperation widmen das Aargauer Kunsthaus und die 52. Solothurner Filmtage den komplexen Beziehungen zwischen Kunst und Film eine Sonderausstellung und ein Filmprogramm.

Cinéma mon amour. Kino in der Kunst
Bewegte Bilder haben in zeitgenössischen Kunstausstellungen ihren festen Platz. Die Black Box im Kunstmuseum ist uns mittlerweile ebenso vertraut wie der White Cube. Aber auch auf inhaltlicher Ebene finden Kino, Film und Filmbusiness Widerhall in der Gegenwartskunst. Hier setzt die Sonderausstellung “Cinéma mon amour” an, welche den Auftakt des Ausstellungsprogramms 2017 im Aargauer Kunsthaus bildet. Das Besondere dabei ist die doppelte Sicht auf das Thema, welches durch die Zusammenarbeit mit den Solothurner Filmtagen eine Kontextualisierung im aktuellen Filmschaffen erfährt.

In der Ausstellung “Cinéma mon amour” werden Werke von 26 international renommierten Kunstschaffenden (darunter vier Künstlerduos) präsentiert, viele davon erstmals in Europa bzw. in der Schweiz. Die zahlreichen raumfassenden Video- und Filminstallationen zeugen von der Vielfalt der künstlerischen Zugriffe auf das Medium des Films. Malerei, Fotografie und Objekte sind in der Schau ebenso vertreten und legen dar, wie die Beschäftigung mit dem Thema weit über das Medium selbst hinausgeht.

In ihren Arbeiten für “Cinéma mon amour” reflektieren, zitieren, befragen und interpretieren die Kunstschaffenden, was in den Kinosälen der Welt gezeigt wird. Über ihre persönlichen Filmerfahrungen hinaus untersuchen sie die kollektive Wirkung des Kinos. Sie beschäftigen sich mit der Institution des Kinos, mit den Produktionsbedingungen der Filmindustrie oder den Wirkungsmechanismen des Kinofilms. Aber auch Hollywood und Starkult regen dazu an, künstlerisch verwertet zu werden.

Gleich mehrere dieser Aspekte werden in Stan Douglas‘ neuester Filminstallation “The Secret Agent” (2015) verhandelt, in der sich auf sechs Leinwänden wahrlich grosses Kino abspielt. Mit zahlreichen Referenzen von Film Noir über Hitchcocks Thriller-Ästhetik bis hin zur Persiflage von Detektivfilmen inszeniert der kanadische Künstler eine spektakuläre Neuadaption des Spionageromans “Der Geheimagent” von Joseph Conrad aus dem Jahr 1907. Das Künstlerduo Teresa Hubbard / Alexander Birchler agiert aus einer ähnlichen Nähe zum Kino. In ihrer Filminstallation “Movie Mountain (Méliès)” (2011) geht es um den gleichnamigen Hügel in der texanischen Wüste, wo angeblich einer der ersten Western der Filmgeschichte gedreht wurde. Zu Wort kommen Einwohner, die Anekdoten und Mythen zum Besten geben, wie auch ein gescheiterter Westernheld. Sam Taylor-Johnsons Fotoserie “Crying Men” (2002-2004) schliesslich liest sich als kritischer Kommentar auf die Traumfabrik Hollywood. Die Künstlerin, die auch als Regisseurin (Nowhere Boy (2009), Fifty Shades of Grey (2015)) bekannt ist, hat männliche Filmgrössen und Jungstars vor ihre Linse geholt. Sie lässt die Schauspieler weinen und zeigt sie in einer Rolle, die Hollywood für sie nicht vorgesehen hat: schwach und emotional.

Eigens für die Ausstellung im Aargauer Kunsthaus realisiert Samson Kambalu die Installation “For Six Days Only” (2017), mit der er seinem Werkkomplex namens “Nyau Cinema” ein neues Kapitel hinzufügt. Kambalu war im Herbst 2016 sechs Tage in Aarau unterwegs und hat vor Ort neue Filme geschaffen, die in der raumfassenden Installation in zwölf Projektionen präsentiert werden. Ohne Ton und maximal eine Minute lang entspringen die Filme den Erinnerungen an Kinobesuche in Kambalus Heimat Malawi. Gleichzeitig verweisen sie auf die Stummfilm- und Slapstick-Ästhetik der Frühzeit des Kinos.

Erstmals in der Schweiz zu sehen ist auch die Installation “Paradise Institute” (2001) von Janet Cardiff & George Bures Miller. In ihrem im Aargauer Kunsthaus nachgebauten Kinosaal verdichten die Künstler Leinwandwirklichkeit und das Geschehen im Zuschauerraum zu einem multidimensionalen Erlebnis. “Paradise Institute” ist eine Ode an das Kino und steht damit für den Frühling, den die Liebesgeschichte zwischen Kino und Kunst jüngst wieder erlebt – dies just in einem Moment, in dem das Kino angesichts der Omnipräsenz des bewegten Bilds in der digitalen Welt beinahe als Anachronismus erscheint.

Künstlerinnnen und Künstler
Martin Arnold (*1959, A), John Baldessari (*1931, USA), Fiona Banner (*1966, GB), Marc Bauer (*1975, CH), Pierre Bismuth (*1963, F), Candice Breitz (*1972, ZA), Janet Cardiff (*1957, CAN) & George Bures Miller (*1960, CAN), collectif_fact (Annelore Schneider, *1979, CH & Claude Piguet, *1977, CH), Tacita Dean (*1965, GB), Stan Douglas (*1960, CAN), Thomas Galler (*1970, CH), Christoph Girardet (*1966, D) & Matthias Müller (*1961, D), Douglas Gordon (*1966, GB), Teresa Hubbard (*1965, IRL) / Alexander Birchler (*1962, CH), Samson Kambalu (*1975, MW), Daniela Keiser (*1963, CH), Urs Lüthi (*1947, CH), Philippe Parreno (*1964, F), Julian Rosefeldt (*1965, D), Hiroshi Sugimoto (*1948, JAP), Sam Taylor-Johnson (*1967, GB), Mark Wallinger (*1959, GB)

Zur Ausstellung erscheint eine reich bebilderte Publikation in Deutsch und Englisch in der das Thema in sechs Schwerpunkten beleuchtet wird. Mit Beiträgen von Yasmin Afschar, Erika Balsom, Jenny Billeter, Steven Cairns, Vinzenz Hediger, Simon Koenig und Madeleine Schuppli. Hrsg. von Madeleine Schuppli und Aargauer Kunsthaus, Aarau. Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich.

Kuratorin Madeleine Schuppli, Direktorin Aargauer Kunsthaus
Assistenzkuratorin Yasmin Afschar, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Aargauer Kunsthaus

Dank
Die Ausstellung “Cinéma mon amour. Kino in der Kunst” im Aargauer Kunsthaus wird u.a. unterstützt vom Swisslos-Fonds des Kantons Aargau und der Stanley Thomas Johnson Stiftung, von IBAarau, und Knecht Reisen. Der Fokus der 52. Solothurner Filmtage wird von der Landis & Gyr Stiftung unterstützt.

Öffnungszeiten Di-So 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr

www.aargauerkunsthaus.ch

Location:
Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
5001 Aarau
Switzerland

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