Exhibition
in Baden / Switzerland
- Esther Ernst: Orientierungsläufe, 2020, Zeichnung auf Papier
- Marianne Halter & Mario Marchisella: Fontana di Trevi, 2023, Videoskulptur (Ausschnitt)
- Manuela Morales Délano: cruel nature has won again, 2022, Fotografie mit Kakteendornen
Kommt es nicht immer wieder vor, dass wir uns an unbekannte Orte begeben, die uns eigenartig vertraut vorkommen? Man fühlt sich “zu Hause” ohne dieses Gefühl benennen oder begründen zu können. Auf der anderen Seite kann es vorkommen, dass ein vermeintlich vertrauter Ort plötzlich völlig fremd erscheint, sei es, dass der Ort sich verändert hat oder wir uns mit ihm.
Mit diesem vertraut sein im Fremden oder fremd sein im Bekannten beschäftigen sich die drei künstlerischen Positionen dieser Ausstellung.
Esther Ernst (aufgewachsen in Basel, heute wohnhaft in Berlin und Solothurn), ist eine Zeichnerin durch und durch. Notizblöcke und Zeichenstifte begleiten sie jeden Tag, wohin sie sich auch begibt. Bei ihren Wanderungen und Spaziergängen, auch sie ist oft auf Reisen, geht es um Aussenwahrnehmung aber immer auch um Selbstbespiegelung. Wie verändert sich die Umgebung, wenn ich sie durchwandere. Wie nehme ich sie wahr und wie verändere ich mich mit ihr.
Ernst notiert sich fast ununterbrochen ihre Eindrücke und zeichnet sie auf. Dabei entstehen A5-Blätter, die später zu Tagebüchern zusammengesetzt werden. Diese sind zuallererst autobiografisch. Sie bilden den Ausgangspunkt für Zeichnungen, die später im Atelier oder zu Hause entstehen.
Ein immer wiederkehrendes Motiv im Werk der Künstlerin sind grossformatige Stadtpläne, die in ihrer Verdichtung eine unglaublich malerische Qualität entwickeln. Auf diesen Plänen, die durchaus reale Situationen abbilden können, verarbeitet die Künstlerin ihre Eindrücke zeichnerisch und ergänzt sie mit Textinformationen. Man taucht gerne ein in diese Notate, folgt ihren Wegen, sucht eigene und beginnt so den Zeichnungen persönliche Erlebnisse hinzuzufügen.
Marianne Halter & Mario Marchisella (leben und arbeiten in Zürich) blicken zurück auf eine lange künstlerische Praxis. Beide verfolgen dabei ihre eigenen Projekte, treten aber seit 2008 auch als KünstlerInnenpaar auf. Bei ihren häufigen Auslandaufenthalten verstehen sie sich weniger als “Reisende”, die immer weiterziehen wollen, sondern als “Verweilende”, die sich einem Ort aussetzen, um diesen zu ergründen und neu zu deuten.
Ihre oft gross angelegten multimedialen Projekte bestehen aus Installationen, Bildern, Videos, Sound und manchmal einem Akteur. Sie sind hintersinnig witzig und auch mal skurril, wenn zum Beispiel ein Radfahrer eine steile Wiese hinunterfährt und einen Lautsprecher hinter sich herzieht der Geräusche von galoppierenden Pferden wiedergibt.
Zentrales Objekt im Trudelhaus ist die Videoskulptur “Fontana di Trevi”, bestehend aus neun Monitoren, schwebend montiert auf einem Metallgestänge. Sie entstand während eines Aufenthalts in Shanghai und zeigt ein mehrstöckiges gigantisches Autobahnkreuz. Die Aussenränder der Fahrbahnen sind geschmückt mit Blumenkisten, bepflanzt mit Geranien – hunderte von Kilometer lang. Diese müssen in einem absurd aufwändigen Prozess bewässert werden. Ein hilfloser Verschönerungsversuch. Die Blumen kämpfen einen unsinnigen Kampf gegen den Beton, den sie nur verlieren können.
Manuela Morales Délano wuchs in den Bergen Chiles auf und lebt seit einiger Zeit in Basel.
Die Thematik der Berge als Elemente natürlicher Grenzen hat die Künstlerin, in ihrem Geburts- wie auch in ihrem Gastland prägnant erlebt. Aber auch Trennungen durch politische Landesgrenzen, die oft genug willkürlich sind, umkreisen ihre künstlerische Praxis.
Wer Grenzen überschreiten darf, ist ein zentrales Thema unserer Zeit. Wer als Gast und wer als fremd oder gar als Feind wahrgenommen wird, definieren wenige Akteure der Politik.
Ein immer wieder auftretendes optisches Element in der Arbeit von Morales Délano ist der Kreis. Er tritt zum Beispiel als Sternenkreis auf ultramarinblauem Grund in Erscheinung. Unschwer als EU-Flagge zu erkennen (“Shooting Stars”), ein Symbol der Offenheit und der Gemeinschaft, an der nicht alle teilhaben wollen oder dürfen. Aus der Nähe betrachtet entpuppen sich die Sterne als Motten, die hier in einem Reigen versammelt sind, der mehr einem Leerlauf gleicht, als Gemeinschaft zu suggerieren. In ihre Flügel sind fünfzackige Sterne gestanzt. In die Freiheit werden sich diese Geschöpfe der Nacht nie mehr erheben.
Öffnungszeiten Fr 14 – 17 Uhr, Sa/So 11 – 17 Uhr
Die Ausstellung ist über die Feiertage wie folgt geöffnet
26. – 28. Dezember 2025
02. – 04. Januar 2026
Ausstellungsdauer 14.11.2025 – 25.01.2026
Location:
Kunst im TRUDELHAUS
Obere Halde 36
5400 Baden
Switzerland



