Exhibition
in Meggen / Switzerland
- Maurin Bisig: Balzac von Rodin, Schrattenfluh, Sörenberg, 2020, Courtesy der Künstler
- Flurin Bisig: o.T., 2020, Marmor und Eiche, Courtesy der Künstler
Im August 2023 eröffnet das Benzeholz eine Doppelschau mit Flurin Bisig (*1982) und Maurin Bisig (*1987). Die sinnliche Wahrnehmung sowohl auf Seiten der Betrachter*innen wie auch in Bezug auf das künstlerische Schaffen selbst wird zum zentralen Element der Ausstellung: Die unmittelbare Umgebung, das Gespür für das Gegenüber und der Wunsch mit sich und der Welt in Resonanz zu treten, sind für die Kunstschaffenden antreibende Kräfte.
Flurin Bisig und Maurin Bisig befinden sich stets auf der Suche: Das bewusst offen gehaltene Erkunden einer Form oder eines Ausdrucks steht entgegen dem Endprodukt. Dieser Prozess wird insbesondere in der Serialität innerhalb einer Werkgruppe sowie in der Gegenüberstellung von vorhergegangenen Arbeiten erahnbar. Gleichzeitig ermöglichen die Künstler den Betrachter*innen damit auch einen intuitiven Zugang zu den gezeigten Werken.
Den Künstlern geht es nicht darum, der Kunst aus sich selbst heraus einen Ausdruck zu geben. Im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens steht vielmehr ihre Haltung gegenüber der Welt – eine, die Reibung und Widerstand bietet und mit der sie zugleich in einen Dialog treten können. Damit beziehen sie sich auch auf die Idee der Resonanz-Theorie von Hartmut Rosa. Der Philosoph bezeichnet Resonanz als eine Subjekt- Objekt-Beziehung, wobei das System von beiden Seiten wechselseitig angeregt wird. Resonanz kann nur momentan gelingen, punktuell erfahren und bestimmt nicht geplant noch willentlich hergestellt werden. Der Ausstellungstitel “Die Dinge singen hör’ ich so gern” stammt aus einem Gedicht von Rainer Maria Rilke von 1898. Darin warnt der Autor davor, Sprache als eine menschliche Art des Besitzergreifens über die Welt zu verstehen. Rilke fürchtet, dass mit einem bestimmten (damals meist wissenschaftlich geprägten) Sprachausdruck, der kategorisiert und damit verdinglicht auch eine Distanzierung mit dem Wesentlichen einhergeht. “Die Dinge singen” meint weiter, dass sie nicht starr und stumm sind, sondern in ihrer Form lebendig erscheinen und auf uns reagieren. Wie bei Hartmut Rosa geht es also darum, die Umgebung nicht als gegeben wahrzunehmen, sondern als etwas, das sich auf unsere Körper bezieht – mit uns in Resonanz gehen kann. Aus dieser gemeinsamen Grundlage heraus finden sich unterschiedliche künstlerische Ausdruckweisen der beiden in Flühli/Sörenberg (LU) aufgewachsenen Brüder.
Flurin Bisig arbeitet mit konträren Materialien wie Papier, Holz, Aluminium und Marmor. Dabei setzt er sich mit verschiedenen Verfahren des Zeichnens, Collagierens und bildhauerischen Arbeitens auseinander. Zeitgenössische Liedtexte, Literatur, kunsthistorische Werkbetrachtungen, Beobachtungen von alltäglichen Bewegungen und architektonische Konstruktionen fliessen in Bisigs Findungsprozess von Formen ein. Mit Fotografien erweitert er seine Wahrnehmungsempfindungen und schafft eine zusätzliche, gegenständliche Referenz zur Aussenwelt.
Er lotet das Räumliche und Plastische und deren Begrenzungen, Konturen und Flächen aus: Wie entsteht eine Form? Aus welchen Wahrnehmungen – Erinnerungen, Träumen und Erfahrungen – entsteht eine Gestalt und Formensprache? Welches Eigenleben haben Formen und in welchem Kontext erscheinen sie? Dies sind Fragen, mit denen sich Bisig seit seiner künstlerischen Ausbildung an der Hochschule für Kunst und Design in Luzern und an der Universität der Künste in Berlin auseinandersetzt.
Maurin Bisig widmet sich seit Jahren konsequent dem Medium der analogen Fotografie. Im Handwerklichen sowie in der Fotografie findet Maurin Bisig Ausgleich und Balance im Leben. Die Kamera nimmt er mit auf seine Reisen, aber auch seine Heimat – das Entlebuch – hält er fragmentarisch fest. Hier werden im Nebel versunkene Landschaften in die Abstraktion überführt, das romantisierende Bild vom Leben in der Natur prallt auf den harten Alltag der Landwirtschaft. Die Serie mit Berglandschaften hat ihren Ursprung im Jahr 2015 und wird fortlaufend ergänzt. Auch Grossstädte wie London haben es dem Fotografen angetan. Entgegen der Hektik jedoch lässt Maurin Bisig sich bewusst auf ein Umherirren ein – ohne Ziel und ohne Eile. Als Sujet finden sich dabei nicht Menschenmassen oder die urbane Landschaft, sondern Bäume. In der Ausstellung werden analoge Fotografien aus mehreren Serien und unterschiedlichen Zeiten gezeigt, wovon ein Grossteil zuvor noch nie ausgestellt wurde.
Öffnungszeiten Do/Sa/So 14 – 18 Uhr
Ausstellungsdauer 25.08. – 15.10.2023
www.benzeholz.ch
www.flurinbisig.com
www.maurin-bisig.ch
Location:
Benzeholz - Raum für zeitgenössische Kunst
Benzeholzplatz 2
6045 Meggen
Switzerland


