Exhibition

in Solothurn / Switzerland
07.03.2020 - 17.05.2020 00:00
Jean Mauboulès - Mouvement arrêté. Arbeiten auf Papier 1969-2019

Der Ausdruck “Mouvement arrêté”, der als Titel der Überblicksausstellung zu den Arbeiten auf Papier von Jean Mauboulès (*1943 in Pau, F) dient, stammt von Margit Weinberg Staber. Die eminente Kennerin der konstruktivistischen und konkreten Kunst hat den Begriff 1986 in einem Text zur ersten Einzelausstellung des Künstlers im Kunstmuseum Solothurn verwendet. Mauboulès hat sich kürzlich in einem Gespräch daran erinnert, als er auf seine Leidenschaft für den klassischen Tanz hinwies. Für ihn gleichen seine Zeichnungen den Momentaufnahmen eines Tanzes, einer “angehaltenen Bewegung”. Tatsächlich lässt die oft duale oder dialektische, stets aber ausgewogene Anlage seiner Arbeiten auf Papier an ein partnerschaftliches Pas de deux denken. Raum und Zeit, in denen sich der Tanz entfaltet, sind auch für Jean Mauboulès wesentlich. Als Hauptfaktoren menschlichen Daseins bestimmen sie sein prinzipielles Denken und reflektierendes Schauen.

Der aus den französischen Pyrenäen stammende Jean Mauboulès ist nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Paris bereits in den 1960er Jahren in die Schweiz gekommen und lebt seit 1976 in der Region Solothurn. Sein minimales Schaffen, das Skulpturen, Glascollagen und Zeichnungen umfasst, ist ab den 1980er Jahren international rezipiert worden. Auch im Kunstmuseum Solothurn wurde es regelmässig gezeigt; nach 1986, 1994 und 2002 handelt es sich bei der jetzigen Präsentation um die vierte Einzelausstellung unseres Hauses.

Der Künstler hat aus einem Gesamtbestand von rund 1500 Arbeiten auf Papier eine Auswahl von knapp 80 Blättern getroffen und die ausgesuchten Bleistift- und Tuschezeichnungen, Gouachen und Aquarelle in ein stimmiges Ganzes gebracht. Obwohl die Ausstellung die gesamte Schaffenszeit abdeckt, kann nicht von einer Retrospektive gesprochen werden. Während die letzten drei Jahrzehnte mit grösseren Werkgruppen vertreten sind, wird die frühere Schaffenszeit nur mit wenigen Einzelblättern gezeigt. Bei der schrittweisen Auswahl hat Jean Mauboulès aber ohnehin festgestellt, dass er sich immer neu mit denselben Themen beschäftigt. Diese Verdichtung und Konzentration entsprechen der geistig-philosophischen Grundhaltung des Künstlers.

Die unablässige Wiederkehr derselben Themen in anderer Form oder Technik hat Jean Mauboulès dazu bewogen, bei der Hängung der Exponate auf eine klassische Chronologie zu verzichten. Für die einzelnen Wände hat er vielmehr Nachbarschaften gesucht, in denen sich “Thema und Variation” begegnen. Zuweilen geschieht solches Durchspielen in kurzer zeitlicher Abfolge, manchmal stammen verwandte Blätter aber auch aus verschiedenen Jahrzehnten, wie bei den Arbeiten mit geschichteten, halbtransparenten Kalkpapieren. Diese erinnern an die ursprüngliche Ausbildung des Künstlers zum Architekten, stehen aber auch für die Grundthematik von Schein und Sein. Die vom Künstler bis ins Detail vorbereitete Hängung der Ausstellung beweist sein räumliches Sensorium, das ihm als Bildhauer besonders gegeben ist. Wie bei seinen Skulpturen, die mit ihrer oft kreisförmigen Gestalt allseitig ausgreifen, hat er auch das Graphische Kabinett als Ganzheit erfasst und das Augenmerk auf die Durchsichten gelegt.

Christoph Vögele

Zur Ausstellung ist ein reich bebildertes Buch mit zwei Aufsätzen erschienen (Verlag für moderne Kunst, Wien, 128 Seiten).

Öffnungszeiten Di-Fr 11 – 17 Uhr, Sa/So 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen

www.kunstmuseum-so.ch

Location:
Kunstmuseum Solothurn / Graphisches Kabinett
Werkhofstrasse 30
4500 Solothurn
Switzerland

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