Exhibition

in Biel/Bienne / Switzerland
04.07.2020 - 06.09.2020 00:00
Kaléidoscope - Perspektiven auf 30 Jahre Sammlung

Im Zeichen unseres 30. Jubiläums schauen wir zurück auf 30 Jahre Sammlungstätigkeit. Zu Beginn auf regionale Kunst ausgerichtet, liegt der Fokus seit einigen Jahren auf Werken internationaler Kunstschaffender, deren Arbeiten Teil einer Ausstellung im Kunsthaus waren. Heute zählt die Kunsthaus-Sammlung Pasquart über 1800 Werke.

Kaleidoskop bedeutet “schöne Formen sehen”, sein Formenspiel weist aber über seine Wortbedeutung hinaus: Das Kaleidoskop regt an, sich über Perspektiven Gedanken zu machen. Es setzt Fragmente zu neuen Gestalten zusammen und erzeugt eine Vielzahl verschiedener Sichtweisen, die sich verbinden oder voneinander abprallen. Die Ausstellung zeigt Neuzugänge, selten gezeigte und vertraute Arbeiten, zusammenhängende Werkgruppen oder Einzelstücke.

Die Vielfalt spiegelt die wechselnden Vorstellungen jener Akteur*innen, welche die Sammlung mitgeformt haben, aber auch Schenkungen, die neue Schwerpunkte legten. In diesem Zusammentreffen von Werken kann es einerseits Beziehungen, Verflechtungen oder Wahlverwandtschaften geben; andererseits hat das Sammelgut oft wenig miteinander zu tun. Die Aktualität einzelner Werke spiegelt sich letztlich in der Auswahl für eine Sammlungspräsentation. Neue Kontexte entstehen durch gegenwärtige Blicke auf Gesammeltes sowie das Erproben von Konstellationen.

Es ist uns ein Anliegen, unsere Perspektiven auf 30 Jahre Sammlung mit Positionen aktueller Bieler Künstler*innen zu erweitern. Béatrice Gysin, Katrin Hotz, Jeanne Jacob und Simon Ledergerber schaffen unterschiedliche Reaktionen auf ausgewählte Werke der Sammlung. Ihr künstlerischer Blick ermöglicht eine lebendige Auseinandersetzung mit dem Bestehenden.

Béatrice Gysin (*1947 in Zürich, lebt und arbeitet in Biel) stellt kleinere Zeichnungen und Objekte den 17 Heliogravuren aus Markus Raetz‘ “Portfolio Ombre” (2007) gegenüber. Sorgfältig wählte die Künstlerin bestehende Arbeiten aus ihrem eigenen Archiv aus, in denen sie Parallelen, Ähnlichkeiten oder Wahlverwandtschaften zu Raetz’ grafischer Arbeit fand. Installativ auf Tischen präsentiert, bildet die Kombination einen Kontrast, doch die Frage nach dem Sehen begleitet beide Kunstschaffenden, welche die tägliche, zur Routine gewordene Wahrnehmung mit ihren Werken hinterfragen. Entstanden ist ein stiller und poetischer Raum, der einlädt, den Blick über zeichnerische Texturen und hügelige Landschaften von Alabaster schweifen zu lassen, den präzisen Linien zu folgen und Formen, die immer wieder auftauchen, zu entdecken. Die Gegenüberstellung fordert von den Betrachter*innen ein intensives Hinsehen, in dem sich erst Narrationen, Entsprechungen oder sinnliche Begegnungen eröffnen können. Als zweite Gegenüberstellung wählte Béatrice Gysin die skulpturale Zeichnung von Anna Barribals “Untitled V” (2008), worauf sie mit einer dreidimensionalen Zeichnung auf Holz und Glas reagiert.

Katrin Hotz (*1976 in Glarus, lebt und arbeitet in Biel) begegnet der Kunsthaus-Sammlung mit gross- und kleinformatigen Tuschzeichnungen aus den Jahren 2011-13. Die Werke aus ihrer Serie “Occhi” (2013) bilden sich aus Netzstrukturen und Rhomben, freien weissen Stellen oder schwarzen Kreisen, die sie in rhythmischem, schnellem Zeichnen entwickelt. Ihre Formen brechen aus der geometrischen Strenge aus und erinnern eher an Geflechte oder organische Strukturen. Diese bewegten Gebilde stellt die Künstlerin in Dialog mit Clare Goodwins Werken “Graham” (2013) und “Howard” (2016), deren präzise und klar abgegrenzten Farbflächen Goodwin mittels der Namensgebung ihrer Kompositionen Narrative einer sozialen Realität entgegensetzt. Daneben finden sich im selben Raum Abstraktionen von Heinz-Peter Kohler, die auf unerwartete Weise in Beziehung mit den anderen Werken treten. In Rebecca Horns “Bleistift-Flügel” (1988) findet Katrin Hotz eine formale Verwandtschaft zu Werken aus ihrer Reihe “Pickles” (2011-13). Es sind vage Gedankengebilde und sanfte Gefüge, die sich vom weissen Untergrund abheben und wirken, als würden sie jeden Moment dem Bildraum entweichen. An einem anderen Ort tritt Hotz’ “brennender Turm Vergessen das Vergessen nicht” (2007) in ein Gespräch mit Martin Ziegelmüllers 5. Zyklus “Teilchenbeschleuniger” (2013-14).

Die Malerin Jeanne Jacob (*1994 in Neuchâtel, lebt und arbeitet in Biel) schuf gleich mehrere neue Werke für die Ausstellung, mit denen sie unterschiedlich auf Künstler*innen der Sammlung, wie Rebecca Horn, Klodin Erb oder Francisco Sierra reagiert. Sie malt intuitiv und oft überlagern sich Flächen, Formen und Figuren, bis die Künstlerin durch den Malprozess zum Resultat findet. Im Foyer kombiniert sie “Party, Party” (2020) mit San Kellers “Stammtisch” (2007). Die zwei Figuren scheinen in einem Moment zwischen Lust und Langeweile festgehalten worden zu sein. Jacob malt Menschen und Körper, uninszeniert und in einer alltäglichen Selbstverständlichkeit eingefangen; sinnlich und intim, ohne dabei pornografisch zu wirken. Sie befinden sich in einer Art Schwebezustand, in dem Ideale unterlaufen werden und Widersprüche möglich sind. In den Galerien begegnen wir 99 Mickeys, die Jacob in Reaktion auf Markus Raetz‘ Skulptur “Form im Raum” (1991-92) geschaffen hat. Ihr Werk “Fluide Mickey” (2020) löst das idealisierte und stereotypische Abbild von Mickey Mouse auf, indem die Künstlerin der Ikone 99 Gesichter gibt. Die facettenreichen Emotionen der Mausgesichter machen unterschiedliche Charakterzüge sichtbar. Jacob personifiziert die Kunstfigur und transformiert so das Kollektive ins Individuelle.

Simon Ledergerber (*1977 in Brunnen, lebt in Zürich und arbeitet in Biel) wählte aus der Kunsthaus-Sammlung das Werk “from white earth” (1993) des niederländischen Künstlers Herman de Vries. Darin zeigt sich die Landschaft nicht bildlich, sondern in Form von Erdabrieben auf Papier, die sich zu einer minimalistischen Präsentation von Monochromen zusammenfügen. Im Zentrum seines Schaffens steht die Natur als Lebens- und Erfahrungsraum. Simon Ledergerber stellt diesem Werk seine Arbeit “Vor dem Gesetze (nach Kafkas Text)” (2019) gegenüber, mit dem er auf Franz Kafkas “Türhüterparabel” verweist. Er arbeitet meist mit natürlichen Materialien, beschäftigt sich mit Arbeitsprozessen und mit Fragen der Formwerdung. Rohmaterial in eine Form zu bringen, ohne seine Eigenschaft zu dominieren, sondern das miteinzubeziehen, was im Material bereits angelegt ist, steht im Fokus des Künstlers. So finden sich seine Werke oft im Spannungsfeld zwischen Natur und Künstlichkeit.

Projekt Till Velten im Sammlungsraum und im NMB Neues Museum Biel
Als Seitenprojekt präsentiert der Künstler Till Velten (*1961 in Wuppertal, D, lebt und arbeitet in Zürich und Berlin) im Sammlungsraum des Kunsthauses sein kuratorisches Projekt “TAUSCHEN. Eine Arbeit von Till Velten”. In der Zusammenarbeit mit dem NMB schuf er einen Austausch von Werken aus den beiden Sammlungen, die er am jeweilig anderen Ort präsentiert. Indem er Werke aus der Kunsthaus-Sammlung im NMB ausstellt und umgekehrt, möchte er aufzeigen, wie die Grenzen zwischen den angewandten Künsten, die im NMB beheimatet sind, und der sogenannten freien Kunst, gesammelt im Kunsthaus, verschwimmen. Aus dem Institutionentausch ergibt sich ein veränderter Blick: Es zeigt sich, wie stark ein Werk durch seine Umgebung und die Wahrnehmung der Betrachter*innen bestimmt wird. Die Arbeit wird ergänzt durch zwei Video-Interviews mit den Direktorinnen und Kuratorinnen der beiden Institutionen, die mit ihrer Macht, Kunstwerke aus dem Schlaf des Depots für eine gewisse Zeit in den Fokus der Wahrnehmung zu rücken, konfrontiert werden.

Kuratorinnen der Ausstellung
Felicity Lunn, Direktorin, und Stefanie Gschwend, wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunsthaus Centre d’art Pasquart

Öffnungszeiten Mi-Fr 12 – 18 Uhr, Do 12 – 20 Uhr, Sa/So 11 – 18 Uhr

Kaléidoscope – Regards actuels sur les 30 ans de la collection

À l’occasion de son 30e anniversaire, le Centre d’art propose de revenir sur la constitution depuis 30 ans de sa collection. Privilégiant dans un premier temps l’art régional, celle-ci se concentre depuis plusieurs années sur les œuvres d’artistes internationaux ayant exposé au Centre d’art. La Collection Centre d’art Pasquart compte aujourd’hui plus de 1800 œuvres.

Kaléidoscope signifie “voir de belles formes”, mais ce jeu de formes va au-delà de cette définition: le kaléidoscope nous incite à réfléchir à d’autres perspectives. Il assemble des fragments pour constituer de nouvelles configurations et crée ainsi une multitude de points de vue différents qui se relient ou se repoussent. L’exposition présente des acquisitions récentes, des travaux rarement montrés ou connus, des ensembles d’un-e même artiste ou des œuvres isolées. Cette diversité reflète la perception individuelle des acteur-trice-s ayant contribué à la constitution de la collection, mais aussi le rôle des dons qui viennent alors définir de nouvelles priorités. La réunion d’œuvres au sein d’une même collection fait émerger des relations et des affinités entre elles, mais aussi leur singularité. Leur actualité se reflète en définitive grâce au regard contemporain porté sur le fonds collecté qui crée de nouveaux contextes et permet la formation de nouvelles constellations.

Nous avons tenu à élargir notre perspective sur les 30 ans de la collection en invitant des artistes biennois-es contemporain-es. Béatrice Gysin, Katrin Hotz, Jeanne Jacob et Simon Ledergerber proposent leur réaction personnelle aux œuvres choisies dans la collection. Leur regard artistique provoque une confrontation vivante et inédite avec le fonds existant.

Béatrice Gysin (*1947, Zurich, vit et travaille à Bienne) associe des petits dessins et objets avec les 17 héliogravures du portfolio de Markus Raetz, “Ombre” (2007). L’artiste biennoise a consciencieusement choisi des œuvres issues de ses propres archives dans lesquelles elle a trouvé des parallèles et des similitudes avec le travail graphique de Raetz. Présentées sous la forme d’une installation sur table, les œuvres constituent un ensemble contrasté qui s’accorde toutefois sur la question du regard. Les deux artistes interrogent en effet la perception quotidienne, voire routinière. Un espace calme et poétique est ainsi créé, invitant le regard à vagabonder sur les textures graphiques et les paysages vallonnés de l’albâtre, ainsi qu’à suivre les lignes précises et découvrir des formes qui se répètent. Cette confrontation exige des spectateur-trices une observation attentive, afin que des récits, des correspondances ou des rencontres sensorielles puissent s’épanouir. Pour sa seconde intervention, Béatrice Gysin a choisi le dessin sculptural d’Anna Barribal, “Untitled V” (2008) qu’elle confronte à un dessin tridimensionnel sur bois et verre.

Katrin Hotz (*1976, Glaris, vit et travaille à Bienne) va à la rencontre de la collection du Centre d’art avec de petits et grands formats de dessins à l’encre de Chine des années 2011-13. Elaborées par un tracé rythmé et rapide, les œuvres de sa série “Occhi” (2013) se composent de structures réticulaires et de losanges, accompagnés de zones blanches ou de cercles noirs. Ses formes sortent de l’austérité géométrique et rappellent davantage des enlacements ou des structures organiques. L’artiste met ses compositions mouvantes en dialogue avec les œuvres de Clare Goodwin, “Graham” (2013) et “Howard” (2016) dont les surfaces de couleurs sont précises et clairement délimitées et que Goodwin oppose aux récits d’une réalité sociale en leur donnant des prénoms. Dans la même salle se trouvent également des peintures abstraites de Heinz-Peter Kohler qui entrent en relation de manière inattendue avec les autres œuvres. Avec “Bleistift-Flügel” (1988) de Rebecca Horn, Katrin Hotz établit une relation formelle avec les œuvres de sa série “Pickles” (2011-13). De vagues pensée et des formes légères se détachent du fond blanc et semblent vouloir s’échapper à tout moment de l’espace pictural. Ailleurs, la tour en feu de Hotz “Vergessen das Vergessen nicht” (2007) entre en conversation avec le cinquième cycle de “Teilchenbeschleuniger” (2013-14) de Martin Ziegelmüller.

Jeanne Jacob (*1994, Neuchâtel, vit et travaille à Bienne) a réalisé pour l’exposition plusieurs peintures, avec lesquelles elle réagit à différent-es artistes de la collection, comme Rebecca Horn, Klodin Erb ou Francisco Sierra. Les formes, les surfaces et les figures se chevauchent souvent dans sa peinture intuitive, laissant le résultat se former librement pendant le processus créatif. Dans le Foyer, Jeanne Jacob associe “Party, Party” (2020) avec San Kellers “Stammtisch” (2007). Les deux figures de sa peinture semblent avoir été saisies dans un instant suspendu entre le désir et l’ennui. Jacob peint des personnes et des corps sans mise en scène, capturés dans une évidence ordinaire, sensuelle et intime sans paraître pornographique. Ces individus se trouvent dans un vide dans lequel les idéaux sont subvertis et les contradictions rendues possibles. Dans les Galeries, nous rencontrons les 99 Mickeys créés par Jacob en réaction à la sculpture de Markus Raetz “Form im Raum” (1991-92). Son travail “Fluide Mickey” (2020) dissout l’image idéalisée et stéréotypée de Mickey Mouse en donnant à cette icône 99 visages. La diversité des émotions de la souris rend visibles différents traits de caractère. Jacob personnifie cette figure culte, transformant ainsi le collectif en individuel.

Simon Ledergerber (*1977, Brunnen, vit à Zurich et travaille à Bienne) a sélectionné dans la collection du Centre d’art l’œuvre “from white earth” (1993) de l’artiste néerlandais herman de vries. Le paysage n’y est pas représenté de manière figurative, mais à l’aide de terres frottées sur du papier assemblées dans une composition minimaliste de monochromes. Au centre de sa recherche se trouve la nature en tant qu’espace de vie et d’expérience. Simon Ledergerber associe ce tableau à son œuvre “Vor dem Gesetze (nach Kafkas Text)” (2019), avec laquelle il fait référence à la parabole du portier de Franz Kafka. L’artiste utilise principalement des matériaux naturels et s’intéresse aux processus de création, ainsi qu’aux questions liées au développement des formes. Son objectif est de donner forme à la matière première, sans en dominer ses propriétés, mais en incluant ce qui est déjà présent dans le matériau. Ses œuvres se trouvent ainsi souvent en tension entre la nature et l’artificialité.

Le projet de Till Velten dans la Salle de Collection et au NMB Nouveau Musée Bienne
En parallèle, l’artiste Till Velten (*1961, Wuppertal, D, vit et travaille à Berlin et Zurich) présente dans la Salle de Collection du Centre d’art son projet curatorial “TAUSCHEN. Eine Arbeit von Till Velten”. En collaboration avec le NMB, il a organisé un échange d’œuvres entre les deux institutions. En exposant des œuvres de la collection du Centre d’art au NMB et inversement, il souhaite mettre en lumière le brouillage des frontières entre les arts appliqués, hébergé au NMB et ce qu’on appelle habituellement les arts plastiques, conservés au Centre d’art. L’échange d’institutions entraîne un changement de point de vue qui souligne le rôle déterminant de l’environnement et du regard des spectateur-trices sur une œuvre. Ce projet est également accompagné de deux entretiens vidéo avec les directrices et les curatrices des deux musées. Ces personnes seront confrontées à leur pouvoir de placer des œuvres d’art au centre de l’attention pendant une certaine période, alors qu’elles sommeillent le reste du temps au dépôt.

Commissaires de l’exposition
Felicity Lunn, directrice, et Stefanie Gschwend, collaboratrice scientifique Centre d’art Pasquart

Heures d’ouverture Mercredi 12:00 – 18:00, Jeudi 12:00 – 20:00, Vendredi 12:00 – 18:00, Samedi / Dimanche 11:00 – 18:00

www.pasquart.ch

Location:
Kunsthaus Centre d’art Pasquart
Seevorstadt 71 Faubourg du Lac
2502 Biel/Bienne
Switzerland

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