Exhibition

in Zürich / Switzerland
05.09.2020 - 31.10.2020 00:00
Klaus Staudt - Schattenspiele / Jan Jedlička - Werke um 1985

Die Galerie Wenger zeigt nach der Sommerpause in einer Einzelausstellung Arbeiten von Klaus Staudt und im Kabinett sind Malereien von Jan Jedlička zu entdecken. Mit ganz unterschiedlichen Ansätzen thematisieren beide: Raum, Zeit, Licht und Bewegung.

Klaus Staudt (*1932, Ottendorf/Cuxhaven) lebt in Frankfurt am Main und arbeitet in der Tradition der konstruktiv-konkreten Kunst. In den 60er Jahren wesentlich an der Ausarbeitung eines neuen Sehens beteiligt, welches das Bild als Wahrnehmungs- und Denkmodell neu definiert. Er gilt zudem als Erfinder des freischwebenden Reliefs.

Nach Abbruch seines 1954 begonnenen Medizinstudiums studierte Staudt 1959-1963 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ausschlaggebend für seine definitive Hinwendung zum künstlerischen Schaffen war der Besuch der documenta 1959. Die in der damaligen zeitgenössischen Kunst vorherrschenden Tendenz – weg von subjektiver Innerlichkeit hin zur konkreten Realität – entsprachen dem Kunstverständnis von Staudt, der den Raum, die Zeit, das Licht und die Bewegung zu eigenständigen und autonomen Bildinhalten erklärt.

In der aktuellen Ausstellung werden Positionen aus der Schaffensphase zwischen 2013 bis 2020 mit Schwergewicht in den Jahren 2018/19 gezeigt. Der Fokus liegt auf der Farbe Weiss und auf dem Quadrat als neutrale Ausgangspunkte. Das vielseitig abgewandelte Relief ist dabei die bestimmende Darstellungsform und zählt auch heute noch – wie unterdessen seit über 60 Jahren und zusammen mit Ordnung, Rhythmen sowie seriellen Anordnungen von Elementen – zu der die Kompositionen dominierenden festen Grösse. Das bereits 1963 für sich entdeckte Acrylglas (Plexiglas) setzt er dabei in Kombination mit Holz, Weisstönen und nur wenig Farbe ebenfalls stringent ein.

Trotz dieser reduzierten, dafür umso gezielteren Materialwahl und Formensprache gleicht kein Werk dem anderen. Mittels rationaler Systematik, in Kombination mit dem Relief, Schichtungen und Serien, der Farbe Weiss und den unterschiedlichen Transparenzgraden des Arcrylglases baut Staudt Räume von grosser visueller Komplexität. Gekonnt thematisiert er hierbei sublime Nuancen unserer Wahrnehmung. So können in Abhängigkeit der Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Weiss- oder Schattentöne wahrgenommen werden; ein Werk kann statisch oder bewegt, flächig oder tief wirken. Der Betrachter ertappt sich nicht selten auf der Suche nach einer Systematik, sein Blick verliert sich aber bald in den Linien, Kanten und Bewegungen, dringt in die Tiefe vor, wird an den matten Grenzen des Acrylglases gestoppt und wieder an die Oberfläche zurückgelenkt.

Die Farbe Weiss eignet sich dabei für Staudt besonders gut, die Eigenständigkeit und den Autonomiecharakter von Raum, Zeit, Licht und Bewegung zu erfassen, denn “(…) Weiss ist Schweigen, ist Stille. Seine Neutralität reagiert auf Einflüsse, beansprucht keine Macht. Weiss ist die ‘unbeschriebene’, allen Wirkungen offen, ungerichtete und in keinen Dienst gestellte Farbe. (…)”, erklärt er 2007 in seiner Publikation “Das Bild als Denkmodell. Klaus Stadt über Klaus Staudt.”

 

im Kabinett: Jan Jedlička – Werke um 1985

Im Kabinett werden Werke in Öl, aus Pigmenten sowie mehrfarbige Druckgrafiken in Mezzotintotechnik gezeigt, die um 1986 auf der Insel Elba entstanden sind. Hier fand Jedlička in einem ehemaligen Eisenbergwerk eine grosse Vielfalt an farbigem Kalkgestein, das er erstmals für seine Arbeiten zu Pigmenten verarbeitete, um den geologischen, haptischen Eigenheiten und Farben der Insel möglichst nahe zu kommen. Malerische Nuancen erzielt er auch mittels Anwendung einer alten, zeit- und arbeitsaufwändigen Tiefdrucktechnik (Mezzotinto). Die dargestellten Landschaften sind menschenleer und bestehen aus expressiven, grosszügigen, teilweise abstrahierten Formen. Jedlička geht es nicht um eine möglichst realistische Darstellung der Topografie sondern um das Festhalten von Eindrücken und Emotionen, womit der Mensch in seinen Arbeiten doch und stets präsent ist.

Jan Jedlička (*1944 Prag) lebt und arbeitet seit 1969 als Konzeptkünstler in der Schweiz. Mit unterschiedlichen Arbeitsverfahren – von der Malerei bis zur Videokunst – ergründet er Darstellungsmöglichkeiten der von der Natur ausgehenden Kräfte. Dabei kommen dem gewählten Ort, der aktuellen Tages- und Jahreszeit, dem vorherrschenden Licht sowie dem eingenommenen Blickwinkel eine grosse Bedeutung zu.

Magdalena Plüss, August 2020

Öffnungszeiten Do-Fr 12 – 18 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr, und nach Verabredung

www.galeriewenger.com
www.klausstaudt.de

Location:
Galerie Wenger
Mühlebachsttrasse 12
8008 Zürich
Switzerland

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