Exhibition
in Küsnacht / Switzerland
- Lily Ludlow: Dear Francis, 2026, acrylic, chalk, and graphite on canvas, 101.60 × 76.20 cm
- Lily Ludlow: Untitled, 2026, acrylic, chalk, and graphite on canvas, 101.60 × 76.20 cm
- Lily Ludlow: Hunting the Wren, 2026, Installation view at Grieder Contemporary, Küsnacht ZH
The wren is a paradoxical creature. Despite its diminutive size, folklore crowned it the king of birds. Yet it was also hunted, captured, and ceremonially displayed during winter rituals throughout Britain and Ireland. Elusive and revered, sovereign and sacrificial, the wren occupies a space between visibility and disappearance.
Lily Ludlow’s paintings unfold within a similar tension. Her works begin with drawing. Figures, animals, landscapes, and gestures are sketched directly onto the canvas, only to be partially removed again through a process of sanding. Layers accumulate and disappear. Surfaces are built through acts of making and undoing. At times entire passages vanish. What remains is not simply an image but the record of its transformation. The painting arrives through erosion as much as through construction.
This process produces a distinctive visual language in which forms seem caught between emergence and dissolution. Animals recur throughout the exhibition, yet rarely as identifiable species. Human figures drift toward animal forms; flowers become bodies; bodies become landscapes. The paintings resist stable categories and instead propose a world of continuous metamorphosis.
In this sense, Ludlow’s paintings belong to a lineage that extends from Goethe’s theory of metamorphosis to more contemporary understandings of ecological interdependence. Human, animal, and vegetal forms are not treated as separate categories but as temporary states within a larger continuum of transformation. Figures emerge, hybridize, and dissolve, suggesting a world understood less through fixed identities than through relationships, correspondences, and processes of becoming. One might think here of Michel Serres’ writings, in which humans, animals, plants, objects, and environments are bound together in networks of exchange rather than divided into discrete realms.
The small paintings included in the exhibition are particularly revealing in this regard. Flowers unfold into female presences, while female figures seem to return to vegetal states. Elsewhere, animal pairs appear simultaneously intimate and unfamiliar, suspended between portrait, symbol, and myth. Throughout the exhibition, identity remains fluid and provisional.
To hunt the wren is ultimately not to capture it. It is to follow something that repeatedly escapes definition. Ludlow’s paintings invite a similar form of attention. They approach recognition only to move beyond it again, inhabiting a space where meaning remains open and where the boundaries between human, animal, and plant life become unexpectedly porous. What persists is not a fixed image but a continuous process of transformation — an image forever arriving, and forever slipping away.
Lily Ludlow (b. 1970, Los Angeles, CA) lives and works in Port Chester, New York. Makes paintings that are a mixture of figuration and machine-like curvilinear shapes that either fit together comfortably or jostle against each other and the confines of the painting’s boundaries.
The arabesques and tender grace notes allude to dance; the isolation of a moment in time or a focus on specific gesture signify Ludlow’s deeply felt reality. Heavily worked, each piece becomes a tool for insight and understanding as the painter refines the position of a leg or stylized torso, gradually moving towards a sense of activated stasis.
Opening hours Friday, 11 am – 6 pm, and by prior arrangement
Zurich Art Weekend Special Opening Hours
Friday, June 12, 11 am – 6 pm
Saturday, June 13, 11 am – 6 pm
Sunday, June 14, 11 am – 6 pm
Exhibition Duration 12 June – 25 September 2026
Der Zaunkönig ist ein widersprüchliches Geschöpf. Trotz seiner geringen Grösse wurde er in der europäischen Folklore zum König der Vögel gekrönt. Gleichzeitig wurde er in winterlichen Ritualen in Grossbritannien und Irland gejagt, gefangen und zeremoniell zur Schau gestellt. Flüchtig und verehrt, herrschaftlich und geopfert, bewegt sich der Zaunkönig in einem Zwischenraum von Sichtbarkeit und Verschwinden.
Lily Ludlows Malerei entfaltet sich innerhalb einer ähnlichen Spannung.
Ihre Arbeiten beginnen mit einer Zeichnung. Figuren, Tiere, Landschaften und Gesten werden direkt auf die Leinwand gebracht, nur um durch einen Prozess des Abschleifens teilweise wieder entfernt zu werden. Schichten lagern sich an und verschwinden erneut. Die Oberflächen entstehen durch Akte des Aufbaus und der Auslöschung. Mitunter verschwindet ein Motiv beinahe vollständig. Was bleibt, ist nicht einfach ein Bild, sondern die Spur seiner Verwandlung. Die Malerei entsteht ebenso durch Erosion wie durch Konstruktion.
Dieser Prozess führt zu einer Bildsprache, in der Formen zwischen Auftauchen und Auflösung gefangen scheinen. Tiere kehren in der Ausstellung immer wieder, doch selten als eindeutig bestimmbare Arten. Menschliche Figuren nähern sich tierischen Gestalten an, Blumen werden zu Körpern, Körper verwandeln sich in Landschaften. Die Gemälde verweigern stabile Kategorien und entwerfen stattdessen eine Welt fortwährender Metamorphosen.
In diesem Sinne stehen Ludlows Arbeiten in einer Tradition, die von Goethes Metamorphosenlehre bis zu zeitgenössischen Vorstellungen ökologischer Verbundenheit reicht. Menschliche, tierische und pflanzliche Formen erscheinen nicht als voneinander getrennte Kategorien, sondern als vorübergehende Zustände innerhalb eines grösseren Kontinuums der Verwandlung. Figuren treten hervor, hybridisieren und lösen sich wieder auf. Es entsteht ein Weltbild, das weniger auf festen Identitäten als auf Beziehungen, Entsprechungen und Prozessen des Werdens beruht. Man könnte hier an Michel Serres denken, dessen Schriften Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge und Umwelten nicht als getrennte Bereiche verstehen, sondern als miteinander verflochtene Netzwerke des Austauschs.
Besonders deutlich wird dies in den kleinformatigen Arbeiten der Ausstellung. Blumen entfalten sich zu weiblichen Erscheinungen, während weibliche Figuren zugleich wieder in pflanzliche Zustände zurückzukehren scheinen. An anderer Stelle erscheinen Tierpaare zugleich vertraut und fremd, schwebend zwischen Porträt, Symbol und Mythos. Identität bleibt durchgehend fluide und vorläufig.
Den Zaunkönig zu jagen bedeutet letztlich nicht, ihn zu fangen. Es bedeutet, etwas zu verfolgen, das sich der eindeutigen Bestimmung immer wieder entzieht. Ludlows Gemälde laden zu einer ähnlichen Form der Aufmerksamkeit ein. Sie nähern sich der Wiedererkennbarkeit nur, um sich ihr gleich wieder zu entziehen, und eröffnen einen Raum, in dem Bedeutung offen bleibt und die Grenzen zwischen menschlichem, tierischem und pflanzlichem Leben unerwartet durchlässig werden. Was bestehen bleibt, ist kein festes Bild, sondern ein fortwährender Prozess der Verwandlung – ein Bild, das unablässig entsteht und sich zugleich immer wieder entzieht.
Lily Ludlow (*1970 in Los Angeles, Kalifornien) lebt und arbeitet in Port Chester, New York. Ihre Gemälde bewegen sich zwischen Figuration und abstrakten, maschinenartig anmutenden Kurvenformen, die sich mal harmonisch ineinanderfügen, mal gegeneinander und gegen die Grenzen des Bildraums arbeiten.
Die Arabesken und feinen Bewegungsrhythmen ihrer Kompositionen erinnern an Choreografien; die Isolierung eines Augenblicks oder die Konzentration auf eine einzelne Geste verweisen auf eine zutiefst empfundene Wirklichkeit. Durch intensive Überarbeitung wird jedes Bild zu einem Instrument der Erkenntnis, während die Künstlerin die Position eines Beins, eines Torsos oder einer Bewegung immer wieder verfeinert und dabei allmählich einen Zustand aktivierter Stasis erreicht.
Öffnungszeiten Freitags 11 – 18 Uhr, und nach Verabredung
Öffnungszeiten während des Zurich Art Weekend
Freitag, 12. Juni, 11 – 18 Uhr
Samstag, 13. Juni, 11 – 18 Uhr
Sonntag, 14. Juni, 11 – 18 Uhr
Ausstellungsdauer 12.06. – 25.09.2026
Location:
Grieder Contemporary
Lärchentobelstrasse 25
8700 Küsnacht
Switzerland



