Exhibition

in Thun / Switzerland
21.05.2022 - 14.08.2022 00:00
Lorna Simpson - Haze

Seit den 1980er Jahren ist Lorna Simpson (*1960) für einen konzeptionellen und performativen Ansatz in Fotografie, Film, Zeichnung und Collage bekannt. Das Kunstmuseum Thun widmet ihr die erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz.

Die Farbe Blau reicht von den unendlichen Weiten des Himmels bis in die unergründlichen Tiefen des Meeres und spielt in Simpsons neue Werkserie “Ice-Series” (2019-2020) eine substanzielle Rolle. Es spiegelt ein Gefühl von Melancholie wider, des Erstarrens und der Resignation. “Dark times, to me, mean dark paintings,” sagt die Künstlerin. Ihre monumentalen arktischen Landschaften und Porträts verschmelzen zu einem Seelenzustand, der von Blues eingenommen ist. Im Eindruck der blauen Farbe verdichten sich Geräusche und Sprache zu einem Seherlebnis. Simpsons Farbwelt ist eine kalte und wird einzig durch die in den Farbwelten verwobenen Personen wärmer. Was wir in den gletscherartigen Landschaften sehen, lässt uns Vermutungen zu den abgebildeten Personen anstellen:

Welcher Kultur gehören sie an?
Wo wohnen sie?
Wie leben sie?

Die Zeitungsausschnitte in den Bildern geben uns keine Antworten auf diese Fragen. Als störend empfinden wir das bedingt. Wir sind es gewöhnt, unsichtbare Informationen den sichtbaren hinzuzufügen. Simpsons Kunst forciert das Ergänzen der nicht sichtbaren Informationen. Zeigen ihre Collagen die Spitze des Eisbergs, lässt sie uns die unter der Wasseroberfläche verborgenen Informationen dazu dichten.

Rund 80% unserer Kommunikation beruht auf jener unbewussten Beziehungsebene. Dazu gehören Gefühle, Wertvorstellungen und eigene Identitäten. Die restlichen 20% beruhen auf einer bewussten Sachebene. Bei Lorna Simpson: Farben, die wir sehen, Gesichter, die wir erkennen. Die Künstlerin lädt uns also mit ihren Gletscherbildern ein, eigene Muster und Kategorisierungen zu überprüfen. Ihre Farbwahl umhüllt uns dabei regelrecht und entführt in eine Welt des Unbewussten. Es ist ein Blick in die Tiefen der menschlichen Seele.

Während in “Haze” (2018) gläserne Eisblöcke von Plastiktüten umhüllt sind, liegen die gefrorenen Würfel in dem installativen Werk “12 Stacks” (2018) auf gestapelten Ebony-Magazinen. Die amerikanische Zeitschrift, die seit 1945 monatlich erscheint und eine umfassende Sicht auf die afroamerikanische Kultur bietet, ist für Lorna Simpson eine bedeutende Inspirationsquelle und findet Eingang in zahlreiche ihrer Arbeiten. Die Künstlerin reiht sich damit in eine Gruppe von Kunstschaffenden ein, die sich aktuell auf intime Weise mit den Kategorien Erinnerung, Ethnie, Geschichte, Gender und Fiktion auseinandersetzen. Die Ausstellung “Dunst” zeigt einen umfassenden Querschnitt ihres 40-jährigen Schaffens.

Das Thema Zeit spielt in den Werken der Künstlerin eine ebenso grosse Rolle. In der Videoarbeit “Cloudscape” (2004) ist ein Mann (bei dem es sich im Übrigen um den Künstler und Musiker Terry Adkins handelt) zu sehen, der ein Kirchenlied pfeift. Im Verlauf des Videos stören aufkommender Nebel und Scheinwerferlicht die Szenerie, die dann rückwärtsläuft und sich fortan in Endlosschleife wiederholt. Schaut man sich den Film eine Weile an, ändert sich die subjektive Wahrnehmung von Zeit. Auch hier gibt Simpson uns das Angebot, uns zu überprüfen – auf die Verlässlichkeit unserer Sinne und auf alles Verborgene, was nicht direkt sichtbar erscheint.

Lorna Simpson (*1960) wuchs in Brooklyn, NY, auf. 1983 absolvierte sie ihren Bachelor of Fine Arts in “Fotografie” an der School of Visual Arts, New York, NY und 1985 ihren Master im Studienfach “Visuelle Künste” an der University of California in San Diego, CA.

Lorna Simpsons Arbeiten wurden unter anderem im Museum of Modern Art (MoMA), New York, Museum of Contemporary Art, Chicago, Walker Art Center, Minneapolis, Whitney Museum of American Art, New York, Los Angeles Museum of Contemporary Art, Los Angeles, und das Haus der Kunst, München. Auch waren ihre Werke auf internationalen Ausstellungen wie der Documenta XI in Kassel oder der 56. Biennale in Venedig zu sehen. 2019 wurde Simpson mit der J. Paul Getty Medal ausgezeichnet. Die Künstlerin wird von der Galerie Hauser & Wirth vertreten.

Die Ausstellung findet in Kollaboration mit dem Serlachius Museum in Mänttä, Finnland, statt, wo die Werkschau “Lorna Simpson 2023” gezeigt wird.

Öffnungszeiten Di-So 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 19 Uhr

Ausstellungsdauer 21.05. – 14.08.2022

www.kunstmuseumthun.ch

Location:
Kunstmuseum Thun
Thunerhof / Hofstettenstrasse 14
3602 Thun
Switzerland

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