Exhibition

in Zürich / Switzerland
29.10.2022 - 13.11.2022 00:00
Lukas Salzmann - Women descending a Staircase

(Vor-)Bild, Bildmotiv, Bildraum. Bildgeschehen und Bildgedächtnis. Die Malerei von Lukas Salzmann fordert Präzision im Vokabular ein: einerseits um die Entstehung der Gemälde adäquat nachzuvollziehen, andererseits um das grundlegende Interesse des Künstlers – der Topos des Bildes – nuanciert zu erfassen.

Ausgangspunkt sind Medienbilder, also apparatisch erzeugte “Wirklichkeitsausschnitte”, die beim Durchblättern von Zeitschriften und Büchern Salzmanns Aufmerksamkeit wecken. Unverändert oder auch zu neuen Ensembles zusammengefügt, dienen sie – direkt auf die Leinwand geklebt – als Vorlage. Auf diesem Bildgrund entwickelt sich nun eine Malerei, die dem Motiv als Konglomerat von Farben und Flächen in lasierendem oder pastosem Farbauftrag folgt, Abweichungen oder “Entgleisungen” (LS) jedoch durchaus begrüsst. Spuren dieser “Unterzeichnung” (LS) bleiben dabei ebenso erhalten wie die Zonen, in denen Leinwand und Malgrund aufeinandertreffen. Die mittelgrossen Gemälde verdanken diesem Prozess auch ihr Format, das ungefähr einer aufgeschlagenen Magazinseite entspricht. Bei einer seriellen Anordnung stellt sich dann der Effekt des Blätterns ein, ein anekdotischer Rückverweis auf das “Reiben an der fotografischen Situation” (LS), das die Malerei überhaupt erst ausgelöst hat.

Der Schritt auf die grosse Leinwand stellt Lukas Salzmann vor andere Herausforderungen. Das gemalte Vorbild weist neue Anziehungspunkte auf, die malerische Auseinandersetzung auf einer rund vier Mal grösseren Fläche dominiert. Dadurch verfestigen sich einzelne Momente, die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Bildraum, der seinerseits eine szenografische Behandlung erfährt. Die Malerei agiert selbstbewusst und quasi autonom, sie zeigt nun – motivisch wie malerisch – ein neues Ereignis, das mit dem Vorbild verwandt, aber nicht (mehr) identisch ist. Das Gemälde gleicht nun einem Auftritt.

Zeit und Beweglichkeit sind in diesem Prozess ebenso massgeblich wie ein differenziertes Sehen. Visuelles Identifizieren versus visuelles Begreifen, jedoch nicht als Dichotomie, sondern eher als unbewusst ineinandergreifender Vorgang, dessen Randzonen diffus bleiben. Fällt Salzmann eine Magazinseite ins Auge, setzt eine Art De-Framing ein: ein entschlackendes Sehen, das den inhaltlichen Kontext ausblendet und das Bildereignis per se in den Blick nimmt, zugleich aber bereits das Potenzial von Veränderung im Augenwinkel erfasst. Es sind fast immer figurative Motive; und falls nicht in der Vorlage präsent, werden Protagonist*innen durch Collagieren in das Geschehen eingefügt. Somit ist den Gemälden – insbesondere den grossen Formaten – etwas Szenisches zu eigen. Die Figuren treten als Handelnde auf, die über ein Ich-Bewusstsein und ein Sensorium für ihre Umgebung verfügen. Und auch emotionale Regungen zeigen! So posiert die Dame in “Saint Laurent” fast gelangweilt zwischen den zwei Bären, während die beiden Engel etwas erstaunt über ihre Teleportation in die schroffe Landschaft von “Point of View” erscheinen.

Die atmosphärischen Qualitäten der Gemälde verdanken sich aber auch einer abgestuften Malweise, die Salzmann innerhalb seines gegenständlich orientierten Spektrums auffächert. Minutiöse Pinselstriche und aus dem Handgelenk aufgetragene Farbe, ausfransende Ereignisse und klar konzipierte Setzungen. Die Malerei bringt eine Sinnlichkeit hervor, die über das Visuelle hinaus ins Riechen und Schmecken, Tasten und Hören ausgreift. In “Looking for Mysteria” ist es der leichthändig wirkende Farbauftrag, der sowohl dem Umraum als auch den Figuren eine impressionistische Anmutung verleiht; die Luft scheint zu flirren, die Wärme innerhalb der Ruinen klingt nach Insekten. Happening oder Women Descending a Staircase (after Fezehai) sind ihrerseits durch eine differenzierte Behandlung der Bildgegenstände gekennzeichnet; dadurch schirmt sich die Malerei einerseits gegenüber dem Betrachtungs- oder Realraum ab, andererseits hält sie die Erinnerung an die fotografische “Vorlage” wach. Insofern tritt in den Gemälden eine visuelle Verfasstheit zutage, die letztlich nur im Prozess der Übersetzung und erinnernden Weiterschreibung gewonnen werden konnte.

Irene Müller, Kunstwissenschaftlerin und Autorin, September 2022

Der in Düsseldorf geborene und im Wallis und in Zürich aufgewachsene Lukas Salzmann hat verschiedene Kunstpreise und Stipendien der Stadt Zürich und des Kantons Zürich erhalten. In zahlreichen Ausstellungen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien und den USA (u.a. Swiss Institute, New York) wurden und werden seine Werke gezeigt. Seine Arbeiten sind in internationalen und nationalen Sammlungen vertreten. Er lebt und arbeitet in Zürich und Wetzikon.

Öffnungszeiten Do/Fr 14 – 18 Uhr, Sa 14 – 16 Uhr
Montag – Mittwoch nach telefonischer Verabredung

Ausstellungsdauer 29.10. – 13.11.2022

www.samscherrer.ch

Location:
sam scherrer contemporary
Kleinstrasse 16
8008 Zürich
Switzerland

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