Exhibition
in Schaffhausen / Switzerland
- Werner Widmer: light my fire, 2025, Fotografie, Pigment print, 85 x 120 cm
- Christine Hübscher: Blitz Nr. 7, 2023, Zeichnung auf Papier
- Sandra Capaul: Still 3, 2020, Ton ungebrannt, Aluplatte, Eisenwinkel, 20,5 × 50 × 39 cm, Foto Martin Bachmann
Sandra Capaul: NOW – A Universe in Chapters
Sandra Capauls besondere Aufmerksamkeit gilt einfachsten Versuchsanordnungen, in welchen sie optische Phänomene an den Rändern der Wahrnehmung im Spannungsfeld von Licht, Raum und Zeit analysiert. Ein zentrales und wiederkehrendes Element sowohl in ihren Videoarbeiten und Fotografien wie auch in ihren Installationen von Objekten und Zeichnungen ist die Vermittlung einer prozesshaften, inkonstanten und temporären Objekthaftigkeit, die sich jeder begrifflichen Fixierung entzieht. Der innere Kompass, nach dem sich ihre filigranen Versuchsanordnungen zu orientieren scheinen, lässt sich mit Sparsamkeit der Mittel, Entschleunigung, Prägnanz, Transparenz, Komplexität, Sinn für Vergänglichkeit und Relativität des Wissens umschreiben. In einem Ateliergespräch brachte die Künstlerin die Quintessenz ihres Schaffens auf den Punkt: Reduktion und Konzentration als Voraussetzung für eine Öffnung ins Allgemeingültige und Sinnbildhafte.
In der Ausstellung zeigt Sandra Capaul exemplarische Werke, die einen Zeitraum von 15 Schaffensjahren umfassen.
Christine Hübscher: Von Elektrizität, Nerven und Zellen
Christine Hübschers neuste Werke widerspiegeln ihre vertiefte Auseinandersetzung mit natürlich vorkommenden Strukturen und deren Gesetzmässigkeiten. Stimuliert von elektrischen Impulsen, befasst sich die Künstlerin mit der bildlichen Umsetzung solcher Impulse in organischen und anorganischen Naturphänomenen. Die ausgestellten Arbeiten fügen sich somit thematisch konsequent an ihr früheres Werk an. Christine Hübscher ist seit mehr als 30 Jahren Mitglied des Vebikus.
Werner Widmer: Punktum
Kommunikation ist essentiell, Laute erreichen als Klänge das Ohr, Gesten und Zeichen gelangen über das Auge in unser Verstehen. Jeder Buchstabe, jedes Wort ist ein abstraktes Bild, das wahrgenommen und verstanden werden will. Für Menschen ohne Augenlicht verhalf Louis Braille 1825 mit der Erfindung einer über den Tastsinn lesbare Schrift zu Wissensgewinn und Autonomie. Diese aus erhabenen Punktanordnungen bestehenden Glyphen sind weltweiter Schriftstandard für blinde Menschen. Sie besteht in der Grundform aus sechs tastbaren Erhöhungen, deren Anordnung und Auslassungen als Schriftzeichen zur Darstellung von Buchstaben, Ziffern, Leerzeichen und Sonderzeichen hervortreten. Für Sehende ist die Brailleschrift eine visuell faszinierende aber nur schwerlich zu entziffernde Textur.
Die ästhetische Qualität und den Wert als Kommunikationsmittel dieser Punktanordnungen verwendet Widmer mit grossem Respekt in seinen neuen Arbeiten. Die Punkte zeigen sich in seinen Werken in verschiedenen Ausprägungen, nicht wie gewohnt als Prägeschrift, sondern als präzise grafische oder materielle Anordnungen im Bild- sowie im realen Raum. Widmer lässt sie als geheimnisvolles Muster, als spielerischen Rapport, als abstrakt-unregelmässiges Ornament in Erscheinung treten.
Inhaltlich kreisen Widmers Arbeiten um Aspekte von Erinnerung, Identität, Wahrnehmung und Verständigung. Die Fotografien werden mit der adaptierten Brailleschrift zu poetischen Statements. Die verschiedenen Bild- und Textaussagen verweisen auf Wesentliches – auf Sehnsucht, auf Zweifel, auf Mut, auf Innehalten und auf Innerstes, auf Liebe und Verlust. Die grossen Punkte auf den Fenstern zum angrenzenden Raum markieren eine Trennung, sind gleichzeitig Sichtschutz und verbindendes Element; die Anordnung zeigt sich grafisch klar und verspielt, doch mit deutlicher Ansage. Auch mit Zuckerwürfeln wird in zwei kleinen Arbeiten geschrieben, diese dürfen aber auch einfach als Übersetzung von Sternbildern gesehen werden. Bei der raumgreifenden Installation zeichnet der Künstler mittels Braille aus Bohrkernen eine Topografie, eine Szenerie, eine Häuserflucht – oder handelt es sich um Relikte einer Ausgrabung?
Auf den ersten Blick mögen die Setzungen regellos wirken, doch sind die auf den zweiten Blick formulierten Botschaften elementar, sind deren Kern: Erst die Kenntnis des pointierten schriftlichen Inhalts erlaubt es dem Visavis, eine schlüssige Verbindung der Punktmitteilung zu Bild und Installation zu knüpfen. Indem Widmer Fotografie wie Installation mit Brailleschrift gezielt verschmilzt, durchbricht er die Dominanz des vordergründigen Sehens und gibt Anstoss für eine hintergründig sinnliche wie gedankliche Erweiterung des ästhetischen Erlebens.
Werner Widmer lebt und arbeitet in Eschlikon und Athen. Er hat eine Vorliebe für Muster und arbeitet mit verschiedenen Medien. Seine Kompetenz, visuelle und taktile Elemente zu verschmelzen, und die aussergewöhnliche Faszination für Zuckerwürfel, wecken Begeisterung für die überraschenden und starken Bildwirkungen. Sein Interesse für grafische und sich wiederholende Motive gründet sich in seiner beruflichen Ausbildung als Gestalter, er studierte bildende Kunst in Zürich und Produktdesign in St. Gallen.
Öffnungszeiten Do 18 – 20 Uhr, Fr 16 – 18 Uhr, Sa/So 12 – 16 Uhr
Ausstellungsdauer 31.05. – 20.07.2025
www.vebikus-kunsthalle-schaffhausen.ch
www.wernerwidmer.ch
www.sandracapaul.ch
Location:
Vebikus Kunsthalle Schaffhausen
Baumgartenstrasse 19
8200 Schaffhausen
Switzerland



