Exhibition

in Thun / Switzerland
29.02.2020 - 12.07.2020 00:00
Sarah Oppenheimer – N-01

Die US-Amerikanerin Sarah Oppenheimer (*1972) weckt die Lust am Entdecken mit einer eigens für das Thuner Museum hergestellten, begehbaren Rauminstallation. Kunst anfassen, drehen, bewegen und begehen ist hier ausdrücklich erwünscht, denn jeder Besucher hinterlässt mit seinem Gang durch Oppenheimers Ausstellung einen neuen Weg für den nächsten Besucher.

Bitte auf die eigene Bewegung achten
In unmittelbarer Auseinandersetzung mit den Gebäudestrukturen des Kunstmuseum Thun hat Sarah Oppenheimer ein Netzwerk aus architektonischen Instrumenten entwickelt. Diese ähneln Gebäudeelementen wie Fenstern, Türen oder Säulen und werden durch das Eingreifen des Besuchers jeweils manuell aktiviert. Wird eine Tür gedreht, ein Fenster aufgestossen oder an einer Säule gezogen, so verändern sich Dimension und Position vielfältiger Übergänge in angrenzende Räume. Der Museumsbesucher und die architektonischen Instrumente sind Teil einer gemeinsamen Performance und bringen die Choreografien des Ausstellungsraums zeitlich befristet in eine neue Ordnung. Was sagt die Künstlerin selbst über ihre Arbeit:

N-01
“Die gebaute Umwelt besitzt eine Vielzahl an Inputs und Outputs. Unsere Körper setzen unsichtbare Reaktionsketten in Gang. Betritt man einen Raum, geht das Licht an. Drückt man eine Klinge herunter, öffnet sich eine Tür. Diese automatische Schaltung wird durch ein Kontrollsystem reguliert. Dessen Vorrichtungen sind so programmiert, dass sie auf sich bewegende Körper und akustische Befehle reagieren. Die in den Wänden, Böden und Decken eines Gebäudes verborgenen Netzwerke sind eine Blackbox.

“N-01″ bietet ein neues Netzwerk an. Zwischen den zahlreichen Räumen des Kunstmuseums werden architektonische Instrumente eingefügt. Sie fungieren als Türen, Fenster, Säulen oder Balken und lösen, jedes für sich, eine Kettenreaktion aus: Eine Drehtür lässt eine Wand beiseite gleiten; eine drehbare Säule öffnet ein Fenster. Wenn die Besucher den in die Instrumente eingelassenen Input manuell aktivieren, rufen sie in einiger Entfernung Veränderungen im Output hervor und modifizieren somit die architektonische Hülle der angrenzenden Galerien.

In Saal 9 fungiert ein Körper aus Glas und Aluminium, der scheinbar oben und unten von zwei blickdichten weissen Wänden gestützt wird, als Raumteiler. Durch manuelle Rotation des Glases dreht sich der Körper um eine aussermittige Axe, wobei sich die Anordnung zwischen dem rotierenden Körper und der blickdichten Stützwand verschiebt. Diese Rotation bringt eine lineare Bewegung in die umschliessende Wandfläche. Während der Glaskörper um 180 Grad um einen exzentrischen Mittelpunkt gedreht wird, fügen sich die Stützwände mal in die Anordnung ein und mal nicht.

Betätigt man in einem benachbarten Ausstellungsraum eine Türklinke, so dreht sich eine Wand im abgedunkelten Saal und gibt grosse Fassadenfenster mit Blick auf die Aare frei. Der Raum ist mit Tageslicht durchflutet und modifiziert die Helligkeit der umliegenden Räume. Veränderungen in der relativen Lichtstärke beeinflussen die Transparenz der Glasinstrumente in benachbarten Räumen. Der zuvor noch transparente Körper aus Saal 9 reflektiert nun. Die Blickachsen prallen an der Glasoberfläche ab und werden durch die Fassadenfenster auf die dahinterliegende Landschaft gelenkt.

Während sich die Wände zurückziehen und die Fenster öffnen, wird in regelmässigen Abständen die mechanische Infrastruktur aller Instrumente freigelegt. Die spiralförmige Schraube, die den räumlichen und zeitlichen Bewegungsablauf der Instrumente steuert, ist von Zeit zu Zeit sichtbar. Die systemische Logik von N-01 ist nie völlig undurchsichtig und nie gänzlich transparent, lässt sich jedoch periodisch ablesen. Die partielle Transparenz des Netzwerks schliesst den aktiven Betrachter in die miteinander verwobenen Relais des belebten Raumes mit ein.”

Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt durch: Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung. Es erscheint eine Publikation.

Öffnungszeiten Di-So 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 19 Uhr

www.kunstmuseumthun.ch

Location:
Kunstmuseum Thun
Thunerhof / Hofstettenstrasse 14
3602 Thun
Switzerland

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