Von Urs Graf bis Roman Signer – Meisterwerke der graphischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

Exhibition

in Solothurn / Switzerland
04.05.2019 - 07.07.2019 00:00
Von Urs Graf bis Roman Signer - Meisterwerke der graphischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

Zur Wiedereröffnung haben wir unter den Beständen der graphischen Sammlung nach dem “Besten” gesucht. Im Unterschied zur Gemälde-Sammlung handelt es sich bei den rund 3’000 Zeichnungen, Aquarellen, Gouachen und Pastellen weitgehend um Beispiele der Schweizer Kunst. Sind die Hauptwerke der Malerei zumeist dank Stiftungen in unser Haus gelangt, verdanken wir viele Meisterblätter gezielten Ankäufen, die oft von Schenkungen der Kunstschaffenden oder deren Erben begleitet waren. Seit Jahrzehnten gehören die Vermittlung und der Erwerb von Arbeiten auf Papier zu einer Kernaufgabe des Kunstmuseums Solothurn. Mit rund einem Drittel des graphischen Gesamtbestandes bilden Schweizer Bildhauerzeichnungen ein einzigartiges Spezifikum. In einer langen, von Publikationen begleiteten Reihe von Einzelausstellungen widmen wir uns seit 2002 den wichtigsten Schweizer Zeichnerinnen und Zeichnern des 19. Jahrhunderts und der Moderne. Beim Anspruch, das “Beste” aus allen Schaffensphasen zu zeigen, mussten wir uns selbst bei den bedeutendsten Zeichnern auf wenige Blätter beschränken. Nur in den wenigsten Fällen blieb uns die Qual der Wahl erspart, wie beim berühmten Solothurner Künstler und Reisläufer Urs Graf (um 1485- 1528), der mit einem einzigen Blatt in unserer Sammlung vertreten ist.

Grafs prächtige Zeichnung aus dem Jahr 1509, die im ersten Saal der chronologisch gehängten Ausstellung zu sehen ist, steht zeitlich isoliert. Erst im späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert schliessen sich die nächstfolgenden Blätter an. Es sind hervorragende Beispiele des Klassizismus, der Romantik und des Realismus, die belegen, dass die Zeichenkunst als eigenständige Ausdrucksform auf höchstem Niveau gepflegt wurde. Unter den Zeichnern finden sich viele Künstler, die v.a. als Maler bekannt sind wie Anker, Buchser, Calame, Deschwanden oder Zünd.

Der Gang zwischen den drei Kabinetten konnte ideal für eine Präsentation der Übergangszeit des Jugendstils verwendet werden, in dem sich die Moderne über die kräftigere Palette und die Tendenz zu Fläche und Abstraktion bereits ankündigt. Auch hier sind mit Amiet, Auberjonois, Trachsel und Perrier bekannte Namen mit hervorragenden Blättern vertreten. Unter den Werken befindet sich u.a. eine grosse Rötel- und Kreidezeichnung zu Amiets bekanntem Gemälde “Richesse du soir” (1899). Im zweiten Saal sind die bedeutendsten Vertreter der Schweizer Moderne vertreten wie Hodler, Vallotton, Morach und Klee. Mit Blättern von Sophie Taeuber Arp und Meret Oppenheim begegnen sich auch die beiden bekanntesten Schweizer Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind drei Zeichnungen von Alberto Giacometti, denen ein Blatt des Vaters Giovanni Giacometti zur Seite gestellt wird. Gerade bei den Zeichnungen findet sich eine unerwartete stilistische Nähe zwischen dem Bildhauer und dem Maler. An der Längswand steht eine kleine Gruppe für unseren Schwerpunkt Bildhauerzeichnung, mit Arbeiten von Hutter, Luginbühl, Tinguely und Wiggli.

Der letzte Saal ist weitgehend der Gegenwartskunst gewidmet. Hier zeigt sich der neue Umgang mit dem Medium, das nun auch in riesigen Formaten auftritt, wie bei Wittwers Aquarell, Rütimanns Tusche-Zeichnung oder Mirjam Cahns dreiteiliger Kohle-Zeichnung “Blutungsarbeit” (1985). Dieses Hauptwerk aus der Zeit der “Neuen Wilden” korrespondiert mit der inhaltlichen Tiefe von Marc Bauers 16-teiligem Konvolut “Das Morgengrauen” (2010), das die frontale Stirnwand einnimmt. Daneben werden in klassischer Reihung Höhepunkte der Schweizer Zeichenkunst ab den 1970er Jahren präsentiert, mit Beispielen von Disler, Roth, Schiess, Schnider, Stalder oder Zäch. Als fulminanter Farbkontrast tritt eine grossformatige Farbstiftzeichnung der Art brut-Künstlerin Aloïse auf, von der das Kunstmuseum Solothurn eine grosse Werkgruppe besitzt.

Text: Christoph Vögele

Öffnungszeiten Di-Fr 11 – 17 Uhr, Sa/So 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen

www.kunstmuseum-so.ch

Location:
Kunstmuseum Solothurn / Graphisches Kabinett
Werkhofstrasse 30
4500 Solothurn
Switzerland

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