ouvert – Natur. Was sonst? Eine künstlerische Annäherung an Phänomene der Natur

Exhibition

in Schaffhausen / Switzerland
15.12.2018 - 27.01.2019 00:00
ouvert - Natur. Was sonst? Eine künstlerische Annäherung an Phänomene der Natur

Anna Comiotto, Marianne Engel, Paulo Lindner, Heinz Niederer, Christian Ratti

Unter dem Titel “ouvert” beendet die Vebikus Kunsthalle Schaffhausen das reguläre Ausstellungsjahr mit einem speziellen Projekt. “ouvert”, weil wir nochmals unsere Türen öffnen und weil wir uns während des Jahres mit offenen Augen inspirieren lassen von Dingen, die wir sehen, Menschen, die wir treffen und Ideen, die uns überraschen.

2018/19 freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit dem “Verein Partnerschaft Schaffhausen – Joinville”, auf dessen Einladung hin der brasilianische Künstler Paulo Lindner einen zweieinhalbmonatigen Atelier-Gastaufenthalt in einem Atelier im Kammgarn West Schaffhausen verbringt. Paulo Lindner zeigt in der Vebikus Kunsthalle Schaffhausen Werke, die er aus seiner Heimat mitbringt, aber auch solche, die in der Schweiz entstehen.

Lindners unermüdliches Engagement für den Schutz der Natur, den er ins Zentrum seiner Kunst stellt, hat uns bewogen, sein Thema und seine Werke in einen erweiterten Zusammenhang zu stellen und für die Ausstellung “Natur. Was sonst?” weitere Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die auf die eine oder andere Art mit Naturmaterialien arbeiten. Ihre Werke erweitern Lindners Kontext und bieten den Besucherinnen und Besuchern Gelegenheit, sich vertieft und auf verschiedenen Ebenen mit der künstlerischen Annäherung an Phänomene der Natur zu beschäftigen. Wir erhoffen uns, dass die Werke Fragen provozieren und Gespräche über eines der wichtigsten Themen in unserer Zeit auslösen. Diese fünf sehr verschiedenen Positionen stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander und lassen dadurch einen Raum entstehen, in dem Staunen und Fragen möglich werden.

Anna Comiotto, geboren in Zürich, 1977. Lebt in Bern. Anna Comiotto experimentiert und forscht mit sehr verschiedenen Materialien. Aus Erde, Schnee, Eis, Gestein, Erz und Flora entstehen Experimente mit Licht, Strom und Ton. Daraus werden Interventionen, Fotografien, Skulpturen und Installationen. Zwischen Artefakt und Naturereignis zeigen sich Phänomene sonderbarer Art. Diese lassen sich oft nur für kurze Zeit beobachten. In der Vebikus Kunsthalle zeigt Comiotto “Autark l”, 2016, eine Klanginstallation mit Erde, Lehm, Erz, Gestein, Draht und Schalltrichter. Hat sich in der Batterie, die aus verschiedenen Materialien besteht, genügend Strom gesammelt, erklingt ein Ton.

Marianne Engel, geboren in Wettingen, Schweiz, 1972. Lebt und arbeitet in Etzwil. Marianne Engel hat bereits 2007 in der Vebikus Kunsthalle ausgestellt. Sie lebt als Selbstversorgerin eng verbunden mit der Natur, erlebt Gedeihen und Sterben. Fasziniert von der Fotografie lässt sie zum Beispiel Glühwürmchen über den Film wandern und hält in “Glühbahnen, Glühwürmchen” ihre Spuren fest. Seit 2010 beschäftigt sie sich mit Pilzen. Sie taucht Pilze wiederholt in Wachs, bis eine feste Schale um sie entsteht. Die Wachsform werden unten am Stiel geöffnet, sodass Schnecken und Insekten hineingelangen und den Pilz fressen können. Die leeren Formen werden gewaschen und in mehreren Arbeitsgängen mit Epoxydharz ausgegossen. Für die Ausstellung in der Vebikus Kunsthalle wird sich Marianne Engel weiter mit dem Pilzprojekt beschäftigen.

Paolo Lindner, geboren 1962, lebt in Joinville, arbeitet dort für die RPPN Reserva Particular de Patrimônio Natural Caetezal. Paolo Lindner wurde vom “Verein Partnerschaft Schaffhausen – Joinville” ausgewählt und weilt zweieinhalb Monate in Schaffhausen. Der magische Realismus in seinen Bildern gründet auf einer weitverbreiteten Tradition in Lateinamerika. Seine Formen und Symbole wie Tucano, Gürteltier, Schlange und die Variationen von Ornamenten werden auch von den indigenen Volksstämmen dargestellt. Paulo Lindner ist im Erziehungsdepartement der Stadt Joinville (Santa Catarina, Brasilien) für die Vermittlung des Umweltschutzes in Schulen verantwortlich. Seine Malerei zeugt von einem engagierten Einsatz für die Natur Brasiliens. “Der Schutz der Natur Brasiliens schützt das Klima der Welt”. Lindners Anliegen sind nicht anklagend, doch seine Beobachtungen sind aktuell und global.

“Paulo Lindner, ein Umweltschützer, der die Kunst als Instrument nutzen möchte, um die Zerstörung des atlantischen Regenwaldes in das Bewusstsein der Menschen zu rücken, und der mittels Mischtechnik ein wahrheitsbewusstes Bild einer zerstörten Umwelt darstellt. Dabei verwendet er Übriggebliebenes und Weggeworfenes aus der industriellen Produktion, wie die LKW-Plane, die als Trägermaterial für Glas, Perlen und Hülsen dient, und formt damit eine bildliche Erinnerung an den Tauschhandel zwischen Indigener Bevölkerung und den “Zivilisierten” zu Beginn einer unerbittlichen Kolonisierung. Seine Mission: über die Natur und uns selbst reden.” (Walter de Queiroz Guerreiro, Prof.M.A., Crítico de Arte (ABCA/AICA).

Heinz Niederer, geboren 1942 in Wädenswil, lebt und arbeitet in Zürich. Heinz Niederers Thema ist die endliche und unendliche Zeit. Als Eisenplastiker kennt er die Unverwüstlichkeit des Eisens. Mit diesem arbeitet er seit seiner Ausbildung als Maschinenschlosser. Gleichzeitig interessiert ihn die flüchtige Vergänglichkeit. Der Künstler liebt es, mit den verschiedenen Aggregatszuständen von Materialien zu spielen. Dabei bezieht er Naturkräfte in die Werke mit ein. In seinem neuen Projekt lässt er die Sonne für sich arbeiten. Er stellt ihr ein Brennglas mit dem richtigen Neigungswinkel und Kunststofffolie zur Verfügung. Bei hohen Temperaturen brennt die Sonne ihre Spur in die Folie und zeichnet den Tagesverlauf als “Sonnentagebuch” auf oder als ein “Multiple der Sonne”, wie der Künstler es nennt.

Christian Ratti, geboren in Scuol 1974, lebt in Zürich und Berlin. Christian Ratti vernetzt sich mit Fachleuten anderer Wissensgebiete. Seine Anstösse für neue Projekte und Forschungen erhält er meist unterwegs. Gerne beschäftigt er sich mit praktischen Fragen. Wie lässt sich der Streit zweier Gemeinden um eine Gondelbahn darstellen? Mit zwei Hunden, die um die Wurst in der Mitte des Seiles kämpfen. Wie können sich Amphibien aus Schächten befreien, die für sie zur Todesfalle werden? Dafür baut er mit Wildtierarchitekten Ausstiegshilfen. Wie kann die Vielfalt der Wildtiere festgehalten werden? Indem die verschiedensten Tiere durch Spurentunnels gehen und auf Papier ihren Fussabdruck hinterlassen. Meist ist Christian Ratti selbst Teil der Aktion, vor Ort anwesend und dokumentiert seine Arbeit.

Partnerschaft Schaffhausen – Joinville

Die gemeinsame Geschichte
Im Südosten Brasiliens liegt die Stadt Joinville im Bundesstaat Santa Catarina. Die Stadt liegt an einer Lagune ca. 20 km vom Meer entfernt. Sie zählte Ende 2014 ungefähr 550’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Ihre bewohnte Fläche ist etwa so gross wie der Kanton Schaffhausen, oder genauer gesagt 213 km2. Das ganze Stadtgebiet umfasst 1135 km2.

Joinville wurde im Jahr 1851 unter anderen auch von vielen Armutsflüchtlingen aus dem Kanton Schaffhausen gegründet. Die wichtige Rolle der Schaffhauser Auswanderer bei der Gründung verschwand in den folgenden Jahrzehnten aus dem Bewusstsein der Stadtbevölkerung und wurde erst anlässlich der Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag im Jahr 2001 wieder neu entdeckt. Diese Wiederentdeckung der gemeinsamen Wurzeln weckte das Bedürfnis nach Kontakten und dem Aufbau einer neuen Beziehung zwischen den Auswandererorten in Schaffhausen und den Nachkommen im Süden Brasiliens.

Im November 2007 besuchte eine Delegation der Stadtregierung aus Joinville unter Vize-Stadtpräsident Rodrigo Meyer Bornholdt Schaffhausen. Ziel der Delegation war die Ausarbeitung einer Partnerschaftsvereinbarung mit dem Kanton Schaffhausen, die die alten Beziehungen aus der Einwanderung Mitte des 19. Jahrhundert wieder pflegen soll. Die Unterzeichnung der Partnerschaft erfolgte feierlich im Regierungsratssaal mit Vize-Stadtpräsident Rodrigo Meyer Bornholt von Seite Joinville und Regierungsrat Hanspeter Lenherr von Seite des Kantons Schaffhausen als Unterzeichner.

Öffnungszeiten Do 18 – 20 Uhr, Fr 16 – 18 Uhr, Sa/So 12 – 16 Uhr

www.vebikus-kunsthalle-schaffhausen.ch
www.annacomiotto.ch
www.marengel.ch
www.likeyou.com/marengel
www.behance.net/ptlindner
www.nairs.ch/portfolio-view/christian-ratti

Location:
Vebikus Kunsthalle Schaffhausen
Baumgartenstrasse 19
8200 Schaffhausen
Switzerland

1 Comment
  1. Profile photo of Christopher
    Christopher 6 days ago

    This is definetly worth it to see!

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